Kissinger Sommer - concert reviews

„Denn Michal Knot mit seinem Sopransaxophon und der Akkordeonist Bogdan Laketic sind zwei absolute Lustmusiker“

„Wenn der polnische Saxophonist Michal Knot und der aus Serbien stammende Akkordeon-Virtuose Bogdan Laketic zusammen Musik machen, öffnen sich neue Welten“

„Mit herausragender Virtuosität, emotionalem Vortrag und Leidenschaft für ihre Instrumente schaffen sie neue Klangfarben“

„Überragendes technisches Niveau lässt Naturgewalten vor Augen stehen“

Kritik – inFranken.de
https://www.infranken.de/lk/gem/slawische-leidenschaft-mit-neuen-klaengen-art-5089250
https://www.infranken.de/lk/bad-kissingen/bad-kissingen-klassischer-ernst-und-jazziges-vergnuegen-art-5089593
 

10.10.2020 – Bad Kissingen Regentenbaum

Im Kissinger Spätsommer sind neue Stile zu entdecken. Das Duo Aliada lässt mit Sopransaxophon und Akkordeon Bach, Grieg und Gershwin völlig neu klingen. Das Sopransaxophon verbindet man allgemein mit Jazz, Tanz- und Folkmusik. Beim “Schifferklavier” denkt der Musikfreund an gesellige Schunkelrunden und musikalische Seligkeit.

Wenn aber der polnische Saxophonist Michal Knot und der aus Serbien stammende Akkordeon-Virtuose Bogdan Laketic zusammen Musik machen, öffnen sich neue Welten. Mit herausragender Virtuosität, emotionalem Vortrag und Leidenschaft für ihre Instrumente schaffen sie neue Klangfarben. Gut, dass sie Gershwin draufhaben, war vielleicht zu erwarten, dass Aliada, (=spanisch: Verbindung, so nennen sich die in Wien ausgebildeten Künstler, die seit 13 Jahren zusammenspielen), aber Klassiker orchestraler Musik mit ihrem Instrumentarium zu einem außergewöhnlichen Spektrum neuer Klangteppiche ausbreiten, das nimmt sofort gefangen. Da hört man Stücke, die man gut zu kennen glaubt, völlig neu.

Tiefgründige Auseinandersetzung mit den Kompositionen und Kenntnis aller Möglichkeiten des Instruments sind Voraussetzung für so variantenreiche Arrangements. Strawinskys “Russischer Tanz” erklingt wie von kleinem Orchester gespielt, das Akkordeon ist die Orgel, die Register zieht das Sopransaxophon, mischt Flöte und Geige in den Klang, und schon tanzt die Puppe Petruschka auf dem Jahrmarkt von St. Petersburg.

Andere Stimmung bei Edvard Griegs Holberg Suite. Zunächst stimmt Aliada mit elegischen Solopassagen des Akkordeons auf ruhige nordische Klanglandschaften ein, zeigt aber im dritten Satz das andere Gesicht Norwegens, wo sich Stürme austoben. Virtuose Dialoge zwischen dem eisklirrenden Sopransaxophon und den rasenden Läufen auf der Tastatur des Akkordeons. Überragendes technisches Niveau lässt Naturgewalten vor Augen stehen. In einer nächsten Sequenz Grenzüberschreitung bei Bach. Überraschend klar hört man das für den Großmeister so typische eigenständige Leben von Melodie und Begleitung sich verirren und harmonisch wieder zusammenfinden.

Ihre Balkan-Impressionen sind eine Hommage an die Lebensfreude, weitab von klischeehafter Polka-Seligkeit und dann – gewollter Kontrast – T. Skweres: Coffin Ship. Zeitgenössische Musik aus dem Jahr 2018 mit zeitkritischem Bezug, wie Bogdan Laketic in seiner Moderation ankündigt, denn die darin beschriebene Schiffskatastrophe irischer Hungersnotflüchtlinge im frühen 19. Jahrhundert ist heute wieder beklemmende Wirklichkeit. Wie Aliada es aber schafft, betuliches Ozeandampfertuten und grelle Schiffssirenen erklingen zu lassen, Möwengeschrei und aufkommenden Sturm zu vermitteln und selbst letzte Luftblasen des Untergangs hörbar zu machen, das war eine wuchtige Anklage.

Das fand auch Malte Meinck, Künstler, Geschäftsinhaber, Sponsor, und erinnerte, wie dieser Nachmittag eigentlich geplant war: Der Kissinger Sommer kommt in die Stadt, mitten in die Stadt, in die Fußgängerzone, zu den Leuten. Kein Eintritt. Aber die coronabedingten Anforderungen waren nicht zu erfüllen.

 


 

11.10.2020 – Bad Kissingen Kurgarten

Wenn man’s recht bedenkt, war das vierte Konzert des Kissinger Spätsommers eine Premiere: Es war das erste Konzert ,das tatsächlich so wie geplant stattfinden konnte – und an dem Ort, an dem es vorgesehen war: kein Verzicht auf irgendwelche Interpreten, kein Umzug in den Max-Littmann-Saal. Das “Duo Aliada” konnte bei seinem zweiten Festivalauftritt da musizieren, wo es angekündigt war: beim Jazz Breakfast im Kurgartencafé. Das war gut so, weil die Musik so wunderbar in diesen hellen Rahmen passte.

Denn Michal Knot mit seinem Sopransaxophon und der Akkordeonist Bogdan Laketic sind zwei absolute Lustmusiker, die auch ein entsprechendes Programm zusammengestellt hatten: eine Kombination aus klassischem Ernst und jazzigem Vergnügen. So war es nicht verwunderlich, dass diese morgendliche Reise in New York begann, mit zwei Komponisten, die klassisch ausgebildet, aber sehr stark vom Jazz beeinflusst waren: George Gershwin und Aaron Copland. Von Ersterem hatten sie zunächst sechs Nummern aus “George Gershwin’s Songbook” ausgewählt – von “Clap Yo’ Hands” über “The Man I Love” und “Oh, Lady Be Good” bis “I Got Rhythm” – sechs Songs, die man alle gut kannte, aber eben nicht in dieser Besetzung: natürlich sehr melodiebetont in beiden Instrumenten, aber auch farblich und virtuos enorm verdichtet und mit großem Schwung musiziert.

Dazu kamen etwas später die “Three Preludes”, die schon vom Namen her europäische Wurzeln verraten, sich tatsächlich aber völlig abgenabelt haben. Es geht hier um lustvolle Klänge, widerborstige Rhythmen, konfliktbeladene Harmonien – also um Überraschungen. Und die reizten Knot und Laketic bis an die Grenzen aus mit schneidender Präzision, bis zum Zerreißen gespannten Verschleifungen und federnder Motorik. Wobei ihnen natürlich entgegenkam, dass ihre beiden Instrumente sich in den Klangfarben einerseits bis zur Deckungsgleiche entgegenkamen, andererseits aber auch totale Kontraste erzeugen konnten. Nicht immer war sofort klar, wer welchen Ton spielte – ein Phänomen, das auch Aaron Coplands “Three Moods” (“Drei Stimmungen”) entgegenkam, in denen die Musik geradezu plakative erzählerische Kraft entwickelte. Man konnte sich das “Embittered” (“Verbittert”) oder “Wistful” (“Wehmütig”) mit seinen klagenden Phrasierungen auch sehr gut an sich selbst vorstellen.

Eine heitere Rarität waren die ursprünglich für Klavier geschrieben Kinderlieder von Chick Corea, von denen das Duo vier ausgewählt hatte. Für Kinder wegen ihrer überschaubaren und nachvollziehbaren Melodien. Aber in der Ausführung ist Chick Corea – das zeigte auch die hochvirtuose Interpretation des Duos Aliada – doch immer wieder der powernde Jazzer durchgegangen.

Natürlich musste wenigstens ein Stück aus der Volksmusik im Programm sein. Denn für einen Serben – außer Bogdan Laketic – ist es unvorstellbar, dass man mit der “Quetschkommode” etwas anderes als Volks- und Tanzmusik spielt, und schon gar nicht Klassik. So spielte der erst eine wunderschön ruhige, klangfarbenreiche Improvisation über ein serbisches Lied. Und dann, mit Michal Knot, “Žikino kolo”, einen serbischen Volkstanz “à la Sirtaki”, einen Reihentanz, der so lange beschleunigt wird, bis auch der letzte der Tänzer den Atem verloren hat. An sich schon ein musikalisch und rhythmisch mitreißendes Ereignis, aber zusätzlich verstärkt durch die raffinierten, virtuosen Verzierungen der Musiker.

Zu Ende ging das Konzert mit zwei ungemein populären Werken. Wer den Namen Darius Milhaud hört, denkt automatisch an “Brazileira” aus der “Scaramouche-Suite”. Das gibt es in allen möglichen Besetzungen – das Original ist für zwei Klaviere. Zuletzt haben es beim Kissinger Sommer Sabine Meyer und Fazil Say über die Bühne gejagt, und jetzt Michal Knot und Bogdan Laketic. Das war insofern noch spannender, als das Saxophon mit seinem fülligeren Klang dem Akkordeon stärkeren Widerpart geben konnte als die Klarinette. Die beiden konnten hinlangen, mit feuriger Rasanz, mit Lust an völlig verqueren Rhythmen und einer pfiffigen Melodie, mit absolut variablen Klangfarben in einem Miteinander und kontrollierten Gegeneinander. Hingerissen hörte man zu und wunderte sich am Ende, dass die beiden gleichzeitig aufhörten. Arturo Marquez” Danzón Nr. 2 ist so etwas wie die heimliche mexikanische Nationalhymne, auch wenn er kubanischen Ursprungs ist. Das Akkordeon spielte hier einen melancholischen Einstieg, der immer tänzerischer wurde, bis sich das Saxophon einmischte und in einen spannenden Dialog eintrat. Wobei diese Spannung weniger durch Tempo, sondern durch Intensität erzeugt wurde, durch ein perfektes Belauern und Aufeinander-Eingehen. Plakative Mätzchen hätten da nur gestört.

Zwei Zugaben spielte das Duo: die wunderbaren “Rumänischen Tänze” von Béla Bartók und schwedische Volksmusik, “Polska från Dorotea”.

inFranken.de

„Michal Knot with his soprano saxophone and the accordionist Bogdan Laketic are two musicians of absolute passion”

„With outstanding virtuosity, emotional performance and passion for their instruments – they create new sounds.”

„When the Polish saxophonist Michal Knot and the Serbian accordion virtuoso Bogdan Laketic play music together, new worlds open up.“

„Outstanding technical level”

Concert review – inFranken.de
Translation from German by Duo Aliada
https://www.infranken.de/lk/gem/slawische-leidenschaft-mit-neuen-klaengen-art-5089250
https://www.infranken.de/lk/bad-kissingen/bad-kissingen-klassischer-ernst-und-jazziges-vergnuegen-art-5089593

10.10.2020 – Bad Kissingen Regentenbaum

At the Kissinger Sommer Festival new styles can be discovered. The Duo Aliada makes Bach, Grieg and Gershwin sound completely new with soprano saxophone and accordion. The soprano saxophone is generally associated with jazz, dance and folk music but when the Polish saxophonist Michal Knot and the accordion virtuoso Bogdan Laketic, who comes from Serbia, make music together, new worlds open up. With outstanding virtuosity, emotional performance and passion for their instruments, they create new sounds. It is good that they have Gershwin in their program – the classics of orchestral music with their instruments, spread out to an extraordinary spectrum of new sounds, which captivates immediately. One hears a completely new face of pieces that one thinks one knows well.

Profound examination of the compositions and knowledge of all the possibilities of the instrument are prerequisites for such varied arrangements. Stravinsky’s “Russian Dance” sounds as if played by a small orchestra, the accordion is the organ, the stops are pulled by the soprano saxophone, the flute and violin are mixed into the sound, and the puppet Petrushka is dancing at the St. Petersburg fair.

A different mood in Edvard Grieg’s Holberg Suite. At first Aliada sets the mood for quiet Nordic soundscapes with elegiac solo passages of the accordion, but in the third movement he shows the other face of Norway, where storms are raging. Virtuosic dialogues between the ice-cracking soprano saxophone and the furious runs on the accordion’s keyboard. Outstanding technical level lets forces of nature stand before our eyes. In a next sequence, the border crossing of Bach. Surprisingly clearly one hears the independent life of melody and accompaniment, so typical for the grandmaster, getting lost and harmoniously coming together again.

Thier Balkan impressions are a homage to the joy of life, far from clichéd polka bliss, and then – intentional contrast – T. Skweres: Coffin Ship. Contemporary music from the year 2018 with a timely on references. It was a powerful indictment of how Aliada manages to make the ocean and ship sounds, to convey seagull cry and the approaching storm, and to make even the last bubbles of the sinking audible.

Malte Meinck, artist, business owner, sponsor, also thought so, and recalled how this afternoon was actually planned: The Kissinger summer comes to the city, to the middle of the city, to the pedestrian zone, to the people. No entrance fee. But the corona requirements could not be met.


 

11.10.2020 – Bad Kissingen Kurgarten

If you think about it, the fourth concert of the Kissinger Late Summer was a premiere: it was the first concert that could actually take place as planned – and at the place it was intended to be: no renunciation of any performers, no moving to the Max Littmann Hall. The “Duo Aliada” was able to play at its second festival appearance where it was announced: at the Jazz Breakfast in the Kurgartencafé. That was a good thing, because the music fitted so wonderfully into this bright setting.

Because Michal Knot with his soprano saxophone and the accordionist Bogdan Laketic are two absolute pleasure musicians, who had also put together an appropriate program: a combination of classical seriousness and jazzy pleasure. So it was not surprising that this morning’s journey began in New York, with two composers who were classically trained but very much influenced by jazz: George Gershwin and Aaron Copland. From the former, they had initially selected six numbers from “George Gershwin’s Songbook” – from “Clap Yo’ Hands” to “The Man I Love” and “Oh, Lady Be Good” to “I Got Rhythm” – six songs that were all well known, but not in this line-up: naturally very melodic in both instruments, but also enormously condensed in color and virtuosity and played with great verve.

A little later the “Three Preludes” were added, which already betrayed European roots by their name, but in fact completely cut the cord. It’s all about lustful sounds, unruly rhythms, conflict-laden harmonies – in other words, surprises. And they pushed Knot and Laketic to their limits with cutting precision, abruptly stretched to breaking point, and springy motor skills. And of course they were accommodated by the fact that their two instruments were congruent in their timbres on the one hand, but on the other hand they could also create total contrasts. It was not always immediately clear who played which tone – a phenomenon that also suited Aaron Copland’s “Three Moods”, in which the music developed an almost striking narrative power. One could also imagine the “Embittered” (“Bitter”) or “Wistful” (“Wistful”) with its plaintive phrasing very well in itself.

A cheerful rarity were the children’s songs by Chick Corea, originally written for piano, of which the duo had selected four. For children because of their manageable and comprehensible melodies. But in the execution Chick Corea – as the highly virtuoso interpretation of the Duo Aliada also showed – has always been a powerful jazz musician.

Of course, there had to be at least one piece of folk music in the program. Because for a Serb – with the exception of Bogdan Laketic – it is unimaginable to play anything other than folk and dance music with the “squeezebox”, and certainly not classical music. So he first played a beautifully calm, colorful improvisation on a Serbian song. And then, with Michal Knot, “Žikino kolo”, a Serbian folk dance “à la Sirtaki”, a row dance that is accelerated until even the last of the dancers has lost his breath. In itself a musically and rhythmically stirring event, but additionally strengthened by the refined, virtuoso ornamentation of the musicians.

The concert ended with two incredibly popular works. Whoever hears the name Darius Milhaud automatically thinks of “Brazileira” from the “Scaramouche Suite”. It is available in all possible instrumentations – the original is for two pianos. Most recently, Sabine Meyer and Fazil Say chased it across the stage during the Kissinger Summer, and now Michal Knot and Bogdan Laketic. This was even more exciting because the saxophone with its fuller sound could give the accordion a stronger counterpart than the clarinet. The two of them could reach out with fiery speed, with a desire for completely unorthodox rhythms and a smart melody, with absolutely variable timbres in a togetherness and controlled opposition. The audience listened rapturously and was surprised at the end that they stopped at the same time. Arturo Marquez” Danzón No. 2 is something like the secret Mexican national anthem, even though it is of Cuban origin. Here the accordion played a melancholic entry, which became more and more dance-like until the saxophone joined in and entered into an exciting dialogue. This tension was created less by tempo than by intensity, by a perfect stalking and interaction. Bold antics would have only disturbed this.

The duo played two encores: the wonderful “Romanian Dances” by Béla Bartók and Swedish folk music, “Polska från Dorotea”.

inFranken.de


Concert review in Klasikaplus.cz

Nevšední spojení v nevšedním prostoru:
Saxofon a akordeon jako jeden z pokladů Broumovska

Concert review by Kristýna Šrámková (Klasikaplus.cz)

 

“The variety of colors and expressions of both players was as rich as it was an entire orchestra of instruments and performers to play during this concert.”

“The energy and the virtuosity of both players was impressive and certainly first-class”

“Their interpretations were full of vividness, dynamism and pure musicality”

 

Full article in Czech:

Každou sobotu letních prázdnin ve stejném čase se otevírá jeden z broumovské skupiny kostelů veřejnosti a jeho barokní křivky rozeznívá vážná hudba. Hudební festival Za poklady Broumovska sleduji jako broumovská rodačka již od roku 2006, kdy vznikl s cílem upozornit na kritický stav kostelů a přispět dobrovolným vstupným z koncertů na jejich záchranu. Od té doby uplynulo třináct let a festivalu se daří nejen to! Každoročně na Broumovsko na pozvání festivalu přijíždějí špičkoví interpreti klasické hudby a nabízejí tak (nejen) místním jinou alternativu zábavy. Třetím z cílů festivalu je podporovat mladou generaci umělců, ať už spoluprací s Concertinem Praga a Broumovskou klávesou nebo pořádáním Letních hornových kurzů, které jsou doprovodným programem festivalu již pátým rokem.

Je potřeba zmínit, že místo konání festivalu – broumovská skupina kostelů – je světovým architektonickým unikátem, jde totiž o několik venkovských barokních kostelů, které byly na Broumovsku vybudovány na začátku 18. století architekty Kryštofem Dientzenhoferem a Kiliánem Ignácem Dintzenhoferem – těmi, kteří projektovali například kostely svatého Mikuláše na Malé Straně a Starém Městě, Břevnovský klášter nebo Invalidovnu! A genius loci tohoto místa řadí festival mezi jedinečné.

 

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Sobota 20. července patřila duu Aliada, jehož španělský název znamená svazek, spojenectví – a přesně to byl dojem ze včerejšího koncertu temperamentní dvojice, kterou tvoří polský saxofonista Michal Knot a srbský akordeonista Bogdan Laketic. Dva nástroje, pro které se v klasické hudbě nepíší skladby, nejsou součástí symfonického orchestru a jejich spojení budí přinejmenším tázavé očekávání… Duo za sebou má koncerty v newyorské Carnegie Hall, v curyšské Tonhalle, vídeňském Musikvereinu, petrohradské Ermitáži a teď i v šonovském kostele sv. Markéty – v nejodlehlejším (a pro mě i nejkrásnějším) ze skupiny broumovských kostelů, který stojí jako solitér na pláni nad vesnicí Šonov při cestě do Broumova. Hlavní vstup se dvěma věžemi je orientován ke klášteru, který se po pár krocích vynoří za kopcovitým obzorem. Dokonalá zakomponovanost kostela do krajiny vytváří dojem až divadelní kulisy, která působí na návštěvníky festivalu už při příchodu na koncert.

 

4

 

Dva mladí muzikanti, kterým patřil včerejší večer, si aranže pro netradiční spojení svých nástrojů píší sami a troufám si říct, že jsou nejen skvělými muzikanty, ale i aranžéry. Ke skladbám, které jsou upraveny pro jiné nástrojové obsazení, než byly napsány, bývám obvykle skeptická, ale koncert dua Aliada byl důkazem toho, že můžou skladbám i prospět. Úvodní výběr z Goldbergových variacíJohanna Sebastiana Bacha se nesl s lehkostí a iluzí klávesového nástroje v měkké akustice kostela zaplněného návštěvníky nejen sedícími, ale i stojícími podél zdí až ke vchodovým dveřím. Překvapilo mě, jak se oba nástroje ve zvuku dokážou mísit a prolínat tak, že chvílemi nebylo na první poslech jasné, kdo zrovna přebral téma variací. Tím, že je zvuk u saxofonu i akordeonu tvořen vzduchem, otevřela se široká barevná a dynamická paleta, kde zvuk jednoho nástroje končil tam, kde začínal druhý. A bylo vidět i slyšet, že oba hráče baví si s touto tenkou hranicí hrát a svou zaujatostí a přirozeností strhávat publikum k soustředěnému poslechu i „náročnější“ hudby. Tou byla Taneční preludia Witolda Lutosławského napsaná pro klarinet a klavír. Přinesla pět různých vybroušených charakterů, mezi kterými oba hráči mistrně přepínali. Bylo fascinující sledovat citlivě vedený dialog nejen mezi nimi, ale i jejich nástroji. Dokonale vycizelované nástupy i konce skladeb. Z Griegových Lyrických kusů si duo vybralo Potůček, Melodii a Pochod trpaslíků, a tak zaplnila kostel folklorní vřelost a lehkost, která pokračovala i v další skladbě programu – Ruském tanci ze Stravinského baletu Petruška. Nasazení, energie a virtuozita obou hráčů i v těchto ne primárně virtuózních skladbách byla strhující a rozhodně ne prvoplánová. Bylo patrné, že rozumějí hudbě, kterou hrají, hledají ty nejfunkčnější výrazové prostředky a modelují je skladbu od skladby. Jejich interpretace byla plná živosti, dynamiky a čisté muzikality.

 

1

 

Jako mezník programu jsem vnímala kompozici Coffin Ships (Lodě-rakve), rakousko-polského skladatele Tomasze Skwerese napsanou přímo pro duo Aliada. Skladba odkazující k lodím imigrantů, které mířily do Spojených států v devatenáctém století, s sebou přinesla po staletí aktuální otázku lidské důstojnosti. Zvuk i výrazové prostředky se tu dostaly až k extrémům obou nástrojů, které najednou zněly úplně jinak a daleko syrověji než ve skladbách předtím i potom. Jako bychom byli v přístavu, slyšeli lodě a veslovali společně s nimi…

Perfektní souhru a naladění jeden na druhého předvedlo duo Aliada také ve výběru Dětských písní Chicka Corey, jejichž pauzy tematicky doplnilo dětské žvatlání ze zadní části kostela. V jednom ze Tří preludií George Gershwina, kterým patřil závěr programu, podtrhl akordeonista rytmiku skladby ještě bubnováním na svůj nástroj, takže nemůžu nezmínit také pohybové nadání obou hráčů, které jen doplnilo jejich zaujetí hudbou. Tři vytleskané přídavky byly pro mě vrcholem koncertu (i když jsem si myslela, že přišel už předtím).

 

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Škála barev a výrazů obou hráčů byla tak bohatá, jako by během koncertu zahrál postupně celý orchestr nástrojů a interpretů. V kostele sv. Markéty v Šonově jsme byli svědky výjimečného spojení chápání hudby v jejím širokém spektru, hraním si se zvukovými možnostmi nástrojů a spolupráce dvou mladých lidí, které hudba baví a které také baví ji ve vysoké kvalitě předávat se zaujetím publiku. A to se během koncertu bavilo také. Jistě tomu dopomohla i výjimečná atmosféra celého festivalu, který se příští sobotu dostává do své poloviny.

 

link: https://www.klasikaplus.cz/reflexe-2/item/1823-nevsedni-spojeni-v-nevsednim-prostoru-br-saxofon-a-akordeon-jako-jeden-z-pokladu-broumovska?fbclid=IwAR3K2pd79zcSYR8xP_pRrdpuJD3fHxMaWJhQIPChVAWRATKwwYLjljqmJjk


Summerwinds Festival: Konzertrezension

Folkloristisch beeinflusste Kammermusik in der Mühle

Konzertrezension von Martin Borck (Westfälische Nachrichten)

Epe – Das leise Rauschen der Dinkel im Hintergrund, der Sommerwind, der sich am Donnerstagabend recht böig zeigte, das im wahrsten Sinne des Wortes kammermusikalische Ambiente in der Mühle – die Rahmenbedingungen stimmten beim Auftritt des Duos Aliada.

Michał Knot (Saxofon) und Bogdan Laketić „Coffin Ship“ stellte als erstes Stück nach der Pause auch einen musikalisch-geografischen Übergang dar zwischen dem ersten Teil mit Kompositionen vorwiegend aus Ost-Europa und dem zweiten mit Musik aus Nord-Amerika. Beiden Teilen waren die folkloristischen Einflüsse gemein.

Béla Bartók war von Volksmusik fasziniert. Davon zeugen auch die „Rumänischen Volkstänze“, in die er die ruralen Rhythmen und Melodien aufgreift. Das Duo Aliada verlieh mit seinen Bearbeitungen den turbulenten Tänzen urtümlich-authentischen Schwung.
Da außerordentlich wenig Originalkompositionen für die Besetzung Saxofon/Akkordeon existieren, haben die beiden Musiker viele Stücke neu arrangiert. Strawinskys „Russischen Tanz“ aus „Petruschka“ zum Beispiel. Den hatte der Komponist für den Meister-Pianisten Vladimir Horowitz umgeschrieben. Diese Bearbeitung war wiederum Grundlage für das Arrangement von Aliada. „Selbst für vier Hände ist das immer noch technisch sehr anspruchsvoll“, zollte Laketic dem Pianisten Respekt. Ein Anspruch, dem die Musiker virtuos gerecht wurden.

Bei Griegs „Lyrischen Stücken“ ließen die Musiker das Wasser akustisch im „Bächlein“ perlen, sprudeln, über Stock und Stein fließen. Die „Melodie“ schlug einen Bogen von zart bis drängend, während der „Zug der Trolle“ einen keckernden, frech übereinander purzelnden Haufen dieser nordischen Wichte präsentierte – die erst nach einem Machtwort in einem gesitteten Zug weiterziehen.

Die beiden Musiker stellten den Zuhörern (hierzulande) weniger bekannte Komponisten vor. Die Tanzvorspiele des Polen Witold Lutosławskis erwiesen sich als kleine Klangperlen. Vlastimir Pavlovics „Žikino Kolo“ – ein Tanz aus Südserbien – versprühte das Temperament des Balkans. Die beiden Interpreten verstehen sich fast blind – was in der dynamischen Improvisation zum Ausdruck kam, die das Stück einleitete.

Auch jenseits des großen Teichs gibt es einen unerschöpflichen Vorrat an Tonmaterial. Preludes von Gershwin, die vom Jazz beeinflusst sind, sowie kleine Szenen, die Chick Corea in seinen „Children Songs“ eingefangen hat und deren schöne Schlichtheit in der Fassung für Akkordeon und Saxofon ausgezeichnet zur Geltung kam. Südländisches Flair spritzte beim stolzen „Danzón“ von Arturo Márquez aus den Instrumenten. Die Zuhörer in der voll besetzten Mühle erklatschten sich eine kurze Piazolla-Zugabe, bevor der anregend-musikalische Sommerabend zu Ende ging.

“Folkloristisch beeinflusste Kammermusik in der Mühle” – Martin Borck (Westfälische Nachrichten)


Konzertrezension von Remy Franck

“Alpenarte”: Klassik neu erlebt

Konzertrezension von Remy Franck (Pizzicato)

(…) Ein anderer Programmpunkt war eine absolute Revelation und eine Weltpremiere zugleich: ‘3 Lyrische Stücke’ von Edward Grieg, in denen sich das ‘Duo Aliada‘ mit dem polnischen Saxophonisten Michal Knot und dem serbischen Akkordeonisten Bogdan Laketic weit vom Klavieroriginal entfernte und mit faszinierenden Paraphrasen dieses Werk für sich entdeckte. Der vorab etwas skeptische Rezensent ließ sich von den klanglichen Entdeckungen der beiden Spitzenmusiker anstecken, von ihrer Einfallskraft, ihrer Inspiration und ihren technischen Fähigkeiten. Und das kam sicher nicht nur durch das Virtuose, denn im zweiten Stück, ‘Heimweh’, erreichten beide eine emotionale Vertiefung, bei der einem fast der Atem stockte.

Dieses 2013 gegründete Duo hat ein technisch derart hohes Niveau, dass ihm musikalisch alles möglich ist und die beiden Musiker immer den Eindruck machen, mit einer einzigartigen Kreativität wie improvisatorisch zu spielen. Es ist ein ‘Jetzt und 100%’-Musizieren, das den Zuhörer absolut mitreißt. Fantastisch!

“Alpenarte”: Klassik neu erlebt… Quod erat demonstrandum


Junge Virtuosen: Konzertrezension

Junge Virtuosen in der Lingener Kunsthalle

Konzertrezension von Sebastian Melle (Osnabrücker Zeitung)

Es gibt Klänge, die glücklich machen. Was die jungen Virtuosen Michał Knot (Saxofon) und Bogdan Laketic (Akkordeon) mit eigenen Arrangements auf ihrer Debüt-CD „New Colours of the Past“ in die Lingener Kunsthalle zauberten, war viel mehr.

Das könnte vielleicht sogar 130 gebannt Lauschende süchtig machen. Lauter Verbündete fanden sich unter den Bildern des Lingener Kunstpreisträgers 2016 Éder Oliveira zu einem Konzert der Extraklasse. Die beiden Musiker, Knot aus Polen, Laketic aus Serbien, haben sich in Wien den Namen „Aliada“ gegeben: „Verwandte, Alliierte“. Ihre Instrumente stammen aus der einen Familie der Holzbläser und entfalten ihren ähnlichen Klang mit Wind, der das Rohrblatt in Schwingung bringt. Verbündet haben sie sich auch gegen den folkloristisch vorbelasteten Ruf, Saxofon und Akkordeon seien nichts für die E-Musik.

Verwandter Klang, ebenbürtige Dynamik

Soll man die beiden virtuosen Jungs bedauern, dass die Barock-Meister nichts für sie komponieren konnten, weil ihre Instrumente erst im vorletzten Jahrhundert erfunden wurden, oder sind die Großen der klassischen Musikgeschichte im Nachteil, nie so etwas Wunderbares gehört zu haben? Verwandter Klang, ebenbürtige Dynamik und eine nicht zu bändigende Spielfreude, Knot und Laketic ließen den Wind herein in ihre Klanggeräte und vor allem in die Ohren und Herzen des disziplinierten Publikums.

Stücke aus alter und neuer Zeit

Eigene Arrangements gab es für Stücke aus alter und neuer Zeit. Das Akkordeon übernahm mal das Continuo, mal den Orchesterpart, mal die Kunstfertigkeit einer ausgereiften Klavier- oder Gitarrenbegleitung. Durchaus eigene Hauptstimmen waren dem Mann mit den tausend Knöpfen vergönnt. Sein Gegenüber schlüpfte mit großem Atem und perfekter Blastechnik in die Rolle der Solisten, mal Flöte, mal Klavier, mal Klarinette, mal sogar eine Frauenstimme. Wie gut, dass dieses Polnisch alle im Saal verstanden!

Neu, prachtvoll, anmutig

Ernsthaft und sorgfältig, aber gleichzeitig frisch und leicht präsentierten die seit 2013 als Duo konzertierenden Virtuosen ihre Adaptionen von Händel, Vivaldi, Grieg über Penderecki, Falla und Bartók bis zu Piazzolla. Griegs Holberg-Suite im alten Stil klang neu, prachtvoll, anmutig und sehr norwegisch.

Stücke des zwanzigsten Jahrhunderts

Auch im zweiten Teil des Abends mit Stücken des zwanzigsten Jahrhunderts traf das Duo Aliada den Nerv sowohl der Atonalität eines Krzysztof Penderecki als auch der tänzerischen Bewegung. Die sieben spanischen Volkslieder von Manuel de Falla wurden so unterschiedlich charakterisiert, wie es sonst nur mit Kastagnetten, Schellenkranz oder Handtrommel und eben der menschlichen Stimme möglich ist. Das bekannteste Werk, Béla Bartóks „Rumänische Volkstänze“, gewann an Intensität nicht nur durch die neue Instrumentierung, sondern auch durch eine absolut präzise und auswendig interpretierte Artikulation.

Ob der Night-Club-Tango von Astor Piazzolla im Halbdunkel oder die serbische Zugabe mit einem wilden, burlesken Ritt und abrupten Ende, von diesen beiden noblen Wilden werden wir hoffentlich noch viel hören.

“Junge Virtuosen in der Lingener Kunsthalle” – Sebastian Melle (Osnabrücker Zeitung)


Konzertkritik - Die Rheinpfalz Zeitung

“Alte Musik in neuen Farben”

Konzertkritik von Paul Witzel (Die Rheinpfalz)

“Ein kurzweiliges Konzert gab das Duo Aliada zu Beginn der neuen Konzertsaison in der Villa Wieser. Und was die beiden jungen Künstler Michal Knot und Bogdan Laketic auf ihrer Suche nach Neuen Klangfarben in Werken von Händel, Vivaldi, Grieg, Bartok bis Piazzolla mit Ihren Instrumenten Saxofon und Akkordeon entdecken, das überraschte natürlich auch die große Schar interessierter und aufgeschlossener Zuhörer. So machen Konzerte Spaß (…)”

“Alte Musik in neuen Farben” – von Paul Witzel (Die Rheinpfalz)


CD der Woche - neues CD Review von Klassik Heute

“New Colours of the Past” – CD der Woche

CD-Review von Stefan Pieper (Klassik Heute)

So unterschiedlich, ja fast gegensätzlich Saxophon und Akkordeon von ihrem Klangcharakter und den spielerischen Möglichkeiten her sind – so eint beide Instrumente ein anderer Aspekt: Sie fristen in der Konzertmusik eine Randexistenz und sind sonst eher mit Jazz und Volksmusik konnotiert. Zumindest das Saxophon wurde als besonders sinnliche Stimme seit dem 19. Jahrhundert von vielen Komponisten entdeckt. Das Akkordeon feiert heute einen wahren Siegeszug in vielen, oft auch experimentelleren Segmenten musikalischer Gegenwart.

Dass in dieser Konstellation vieles möglich ist, so dass man sich selbstbewusst den herausfordernden Werken der Musikgeschichte stellen kann, beweist ein junges Duo mit außerordentlichem Selbstbewusstsein: Das 2013 gegründete Duo Aliada besteht aus dem Saxophonisten Michal Knot und dem Akkordeonisten Bogdan Laketic, zwei 1987 und 1994 in Polen bzw. Serbien geborenen Interpreten, von denen man sicherlich noch viel hören wird. Auf ihrer Debüt-CD haben die beiden alles richtig gemacht: Sie leisten sich einen großen Rundumschlag durch Epochen und Stile und vereinen sehr unterschiedliche Kompositionen und musikalische Zeitalter zum kurzweiligen, das komplette Durchhören in einem Zug fordernden Mix.

Tänzerische Eleganz nimmt den Hörer auf Anhieb gefangen – programmatischer Hintergrund ist eine Händel-Sonate, die sich beide auf den Leib arrangiert haben und damit den Titel dieser CD eindrücklich zum Programm erheben: „New colours of the Past“ – der Historie neue Farben abgewinnen. Und was für Farben! Maximale Ohrwurmqualität haben die glühenden Melodien in den rumänischen Volkstänzen von Bartók. Dann darf Atem geholt werden in Debussys kontemplativer Klangmeditation Syrinx, bevor die Vier Stücke op. 5 von Alban Berg die Tore zu neuen tonalen Möglichkeiten öffnen und Michal Knot und Bogdan Laketic einen überaus klaren Blick darauf richten. Schon im nächsten Moment kommen wieder „Gegengewichte“ ins Spiel: Elegant geht es mit Vivaldi weiter, dann folgt eine gediegene Bach-Allemande. Tonale Bezüge lösen sich auf zum unmittelbaren Klangereignis in drei Miniaturen von Penderecki. Und damit der Hörer zum Schluss für einige Momente in rastloser Atemlosigkeit verharrt, steuert dieses faszinierende Duo mit Manuel de Falla und schließlich Piazzollas Histoire du Tango in eine emotionale Zielgerade.

Das Faszinierende liegt in der organischen Konsequenz, mit welcher dieses Duo so viel substanzielles musikalisches Gewicht zu einem leichtfüßigen Bogen vereint. Daran ist nicht nur der sinnliche, von jeder Strenge weitgehend losgehöste Charakter dieser Instrumente „schuld“, mehr noch deren überwältigend souveräne Beherrschung durch Michal Knot und Bogdan Laketic.

CD der Woche – Review von Stefan Pieper (Klassik Heute)


"Vollblutmusiker" - Kritik von BR Klassik

Vollblutmusiker

Kritik von Matthias Keller (BR Klassik)

Gerade einmal zwei Jahre spielen sie zusammen als festes Duo: der polnische Saxofonist Michal Knot und der aus Serbien stammende Akkordeon-Virtuose Bogdan Laketic. Beide blutjung, beide zur Zeit wohnhaft in Wien und beide auf der Suche nach Anerkennung ihrer Instrumente, deren Vorgeschichte ebenfalls vergleichsweise jung ist – gemessen an etablierten “klassischen” Instrumenten wie Geige oder Klavier.

Das führt beinahe zwangsläufig dazu, Werke zu adaptieren – von Vivaldi über Bach, Berg, Debussy und Penderecki bis hin zu De Falla und Piazzolla. Und ganz ohne Ohrwürmer kommt auch diese CD nicht aus: Vivaldis berühmtes Konzert “La Notte”, ein Klassiker der barocken Flötenliteratur, musste einfach mit ins Programm. Doch schon hier zeigt sich: es geht um mehr als das bloße Kokettieren mit Klassik-Pralinés auf folkloristisch vorbelasteten Instrumenten. Die Ernsthaftigkeit und stilistische Sorgfalt, mit der Michal Knot und Bogdan Laketic sich dieser Musik nähern, lässt aufhorchen. Auch wenn ihr Instrumentarium gerade in Sachen Barock zweifellos ein Anachronismus ist, denn weder Bach noch Vivaldi oder Georg Friedrich Händel ahnten zu ihrer Zeit etwas von einem Saxofon oder Akkordeon.

EIN PLUS AN FRISCHE

Die Sonate in g-Moll beispielsweise schrieb Händel ursprünglich für Blockflöte und Cembalo. Aber auch in der vorliegenden Interpretation mit Sopran-Saxofon und Akkordeon büßt das Stück nichts ein von seiner Originalität und Strahlkraft. Im Gegenteil: Es gewinnt an Extrovertiertheit, an Frische – so, als würde ein Fenster aufgerissen für die größere Öffentlichkeit.

MUT ZUM RISIKO

So richtig kongenial wird es dort, wo sich das Duo Aliada aufmacht ins 20. Jahrhundert. Etwa in Béla Bartóks “Rumänischen Vorkstänzen”. Spätestens von hier an tritt die Frage nach dem authentischen Instrumentarium in den Hintergrund, weil die beiden Musiker ganz einfach den musikalischen Nerv der Komposition treffen und ihr ganzes Temperament in die Waagschale werfen. Waagschale, phonetisch verwandt mit “Wagnis”. Denn ein solches ist es zweifellos, wenn man ein Stück von Krzysztof Penderecki, das ursprünglich für Klarinette und Klavier geschrieben wurde, jetzt auf Saxofon und Akkordeon überträgt – so wie die “Drei Miniaturen” von 1954.

LUST AUF MEHR

Auch hier zeigt sich: Diese beiden Vollblutmusiker machen einfach Musik, auch wenn sie Werke spielen, die nicht für ihre Instrumente geschrieben wurden. Und das wiederum macht Lust auf mehr. Zum Beispiel auf eine Originalkomposition, die diesem Duo regelrecht auf den Leib geschrieben ist. “Aliada” übrigens kommt aus dem Spanischen und bedeutet soviel wie “Verbündete”.

“Vollblutmusiker” – Kritik von Matthias Keller (BR Klassik)


Five-star debut CD Review by HRAudio.net

“New Colours of the Past”

Review by Adrian Quanjer (HRAudio.net)

From time to time something unusual comes my way. Accordion and saxophone are, with some notable exceptions, not usually associated with classical music. Reason to listen with my ears wide open.

The first thing one notices is that we have here two outstanding virtuosi of Polish and Serbian origin, knowing their instruments through and through. The second thing is that the combination works wonderfully well, although I have a preference for the soprano instead of the alto & accordion (De Falla). The third thing is the all-embracing flexibility of the accordion, allowing for transcriptions to be as realistic as possible.

I’m aware of the fact that it needs some courage on the part of the average record buyer to spend hard earned cash on something one doesn’t really know much about and that the temptation easily points to yet another Bach or Mozart recording. However, they would be well advised to browse available YouTube samples. The result may be unexpected and quite astonishing. Watching and listening to these young talents is absolutely out of this world.

For reasons one might easily understand, the Romanian Folk Dances of Béla Bartòk, sound as though you are listening to the original. For me, this is one of the best moments of this disk. De Falla, too, sounds as though it was meant this way. In the case of the oldies, like Händel (sonata keyboard and recorder or violin) and Bach (French suite for harpsichord) the transcription damages in no way the original score; even in Vivaldi (flute concerto) where the accordion replaces the orchestra, the result is engaging. For Berg and Penderecki the clarinet is replaced by the soprano sax. In Piazzolla the original instrument were the violin and the guitar.

Sound wise the recording is up to the high ARS-Produktion standard, and I would urge adventurous music lovers to discover this Duo. One doesn’t need to listen to all of it in one go. Make your choice, dependent on your mood or whatever. There is enough variation for different tastes. The only quibble I have is that there is no mention in the liner notes about the original scoring, but different search engines will help you out.

Review by Adrian Quanjer (HRAudio.net)


Joker Award - Review by Crescendo Magazine

Duo Aliada ou le sublime équilibre entre le saxophone soprano et l’accordéon chromatique

Review by Michel Lambert (Crescendo Magazine)

Le Duo Aliada revisite le répertoire du passé en lui donnant de nouvelles couleurs. Celles, très subtiles, obtenues par le mariage entre le saxophone soprano et l’accordéon. Quelle réussite que cette entreprise réalisée avec talent et créativité par Michal Knot et Bogdan Laketic. Ces deux instruments-là étaient faits pour se rencontrer. Leur fonctionnement similaire rend leurs sonorités compatibles. Dans les deux cas, l’air fait vibrer des anches. L’accordéon, ce sont deux claviers reliés par un soufflet. Le maniement de ce dernier par des mains virtuoses assure une dynamique et un relief sonore d’une subtilité bluffante. Le clavier main gauche génère des accords mais un déclencheur peut le faire « basculer » en clavier chromatique semblable à celui de la main droite. Les nombreux registres permettent d’obtenir des sonorités proches de l’orgue. Ces deux instruments ont aussi des destins croisés. Ils sont contemporains l’un de l’autre, ils se sont développés dans des sphères populaires avant de connaître un essor dans la musique savante et dans nos enseignements artistiques supérieurs à partir de 1950. Le Duo Aliada offre un répertoire varié, parfois inattendu comme en témoignent les Vier Stücke d’Alban Berg. Le moins que l’on puisse écrire, c’est que ça marche ! Le tout est totalement convaincant. Basés à Vienne et à l’aube d’une carrière prometteuse, les deux musiciens ne jouent pas contre la nature de leurs instruments et ils revisitent ces répertoires sans contre-pied stylistique. Dès les premières notes, le son du saxophone de Knot interpelle par sa finesse, sa légèreté et sa sensibilité. Laketic est remarquable lui aussi. Sa technique de main gauche en basses chromatiques est ciselée et impeccable. La technique du soufflet est parfaite donnant profondeur et résonance à la sonorité. La registration est intelligente. De ce point de vue, la troisième pièce roumaine de Bartok (Pe loc) est juste sublime. Les arrangements sont personnels, réussis et ils assurent un équilibre parfait entre les deux musiciens. On écoute un duo. Les œuvres baroques sont jouées avec énergie. Les sonorités modernes sont au service de la partition. Vous l’aurez compris, cet opus est à écouter sans réserve. Il procure de multiples découvertes. D’abord celle de deux instruments encore trop souvent méconnus et cantonnés à certains répertoires mais aussi celle des œuvres interprétées par le prisme du Duo Aliada qui en révèle bien des richesses.

Review by Michel Lambert (Crescendo Magazine)


Recenzja "New colours of the past" w Meakultura

Duo Aliada – New Colours of the Past

Review by Anna Wyżga (meakultura.pl)

Duo Aliada tworzy saksofonista Michał Knot i akordeonista Bogdan Laketic. Muzycy mają już na swym koncie sukcesy, takie jak Grand Prix w XII edycji konkursu muzyki kameralnej „Fidelio Wettbewerb”, a także koncerty w salach koncertowych w Wiedniu czy Linzu.

New Colours of the Past to podmuch świeżego powietrza, które zdmuchuje kurz ze znanych nam wykonań „hitów” muzyki klasycznej, jak np. Tańce rumuńskie Bartóka, Koncert „La Notte” Vivaldiego czy Suita francuska nr 2 J. S. Bacha. Dzieje się tak na pewno za sprawą wyboru obsady – zarówno saksofon, jak i akordeon to instrumenty stosunkowo młode (przypomnę, że obydwa powstały w pierwszej połowie XIX w.), a więc część kompozytorów przytoczonych na płycie, nie miała okazji napisać utworów na taką obsadę.

Samo połączenie akordeonu i saksofonu kojarzy się raczej z muzyką biesiadną czy rozrywkową, próżno też szukać repertuaru muzyki klasycznej przeznaczonej właśnie na taki skład. Uważam jednak, że instrumenty te są niedoceniane – posiadają ogromny potencjał barwowy, dynamiczny i artykulacyjny, który w połączeniu daje efekt porównywalny do brzmienia małej orkiestry. Myślę, że właśnie taki rezultat chcieli uzyskać wykonawcy, prezentując tak zróżnicowany repertuar.

Na płycie znajdziemy dziewięć utworów kompozytorów pochodzących z różnych epok, poczynając od muzyki dawnej Händla, Bacha i Vivaldiego, ocierając się o impresjonistyczny świat Debussy’ego, sięgając do folkloru węgierskiego (Bartók), argentyńskiego (Piazzola) i andaluzyjskiego (Falla), a kończąc na współczesnych utworach Berga i Pendereckiego. Wykonawcy (choć repertuar jest stylistycznie bardzo różnorodny) respetują ducha epoki, przedstawiając brzmienia długie i łagodne, ale i ostre oraz drapieżne w zależności od potrzeby.

Najbardziej urzekają mnie transkrypcje utworów Manuela de Falli (Siete canciones populares españolas) oraz Astora Piazzolli (Histoire du Tango). Po pierwsze dlatego, że ciepły dźwięk akordeonu nasuwa mi na myśl kraje, z których te utwory pochodzą, a jaśniejsze brzmienia saksofonu przypominają przebłyski promieni słonecznych. Po drugie, przedstawiają one szeroką paletę barw i nastrojów idealnie oddających klimat kompozycji.

Duo Aliada to ciekawy pomysł, świetne wykonania i umiejętność oddania ducha danej muzyki. Pomimo że wykonawcy wzięli na warsztat bardzo dobrze znane utwory, to czuć w nich powiew nowości, a te świetne dzieła zyskują kolejną odsłonę. Życzę dalszych sukcesów!

Review by Anna Wyżga (meakultura.pl) 


Kritik von SWR 2: "Einfach grandios"

“Einfach grandios”

Kritik von Martin Hagen (SWR2)

Manche CDs sind ein Glücksfall: weil sie mit althergebrachten Meinungen aufräumen und einem Musik, die man gut zu kennen glaubt, ganz neu erleben lassen. Beides ist bei „New Colours Of The Past“ vom Duo Aliada der Fall. Sei es orchestrale Musik des 17. und frühen 18. Jahrhunderts, von Händel, Vivaldi und Bach, oder Werke des 20. Jahrhunderts, von Alban Berg, Krzysztof Penderecki oder Béla Bartók – was Michał Knot am Saxofon und sein Partner Bogdan Laketic am Akkordeon daraus machen, ist einfach grandios! Die große Wandelbarkeit ihrer Instrumente kommt den beiden da sicher zu Hilfe. Das Saxofon schlüpft mühelos in die Rollen von Flöte, Klarinette, Geige oder Fagott und kann zuweilen sogar wie eine menschliche Stimme klingen (eine „Vox humana“ im besten Sinne also, von der die Orgelbauer früherer Jahrhunderte immer geträumt haben). Und das Akkordeon ersetzt, je nach Register, ein volles Orchester, ein kleiner besetztes Continuo, eine Orgel oder ein Clavichord, und das mit fließenden Übergängen. Das garantiert eine große klangliche Vielfalt!

Natürlich nützten die klanglichen Möglichkeiten der Instrumente alleine nichts, man muss sie auch umsetzen können. Im Duo Aliada sind zwei Meister ihres Fachs am Werk. Der Saxofonist Michał Knot ist gebürtiger Pole, Jahrgang 1987, lebt jetzt in Wien und ist, neben dem Duo Aliada, Mitglied bei einigen weiteren Saxofon-Ensembles. Der Akkordeonist Bogdan Laketic stammt aus Serbien, ist ebenfalls ‚Wahl-Wiener‘ und gehört trotz seines zarten Alters von nur 21 Jahren schon zu den ganz Großen auf seinem Instrument. Beide beschäftigen sich auch intensiv mit zeitgenössischer Musik und haben schon einigen Stücken zur Uraufführung verholfen. Außerdem gewannen die beiden 2013 den Grand Prix des 12. Fidelio Wettbewerbs Wien. Zwei vielversprechende junge Künstler also, die sich in ihrem Duo Aliada so richtig austoben dürfen.

Ein Anliegen von Michał Knot und Bogdan Laketic ist die ‚Rehabilitierung‘ ihrer Instrumente. Beide, Saxofon und Akkordeon, sind Erfindungen des frühen 19. Jahrhunderts, brauchten ca. 100 Jahre bis das Design perfektioniert war und noch einmal 50 Jahre bis Musiker begannen, sich intensiv mit ihnen auseinander zu setzen. Zwei Instrumenten-Spätentwickler könnte man sagen, die das Pech haben, dass viele große Komponisten sie nicht mehr erleben und deshalb auch nicht für sie schreiben konnten. An dieser Stelle kommt der Bearbeiter ins Spiel, in diesem Fall das Duo Aliada selbst. Auch hier geben sich die Musiker keine Blöße: Die Bearbeitungen sind allesamt mehr als gelungen, überaus kreativ und wandelbar, aber immer mit Respekt vor dem Original. Manche Umsetzung erscheint zwar zunächst organischer, z. B. bei Manuel de Falla und Astor Piazzolla, aber das mag daran liegen, dass man hier die Instrumenten-Kombination als weniger ungewöhnlich empfindet, weil man sie von der Folklore her schon kennt. Die wahren Ohrenöffner sind aber die Barock-Bearbeitungen: Hier erscheint das Vergangene wirklich in völlig neuen Farben, und das ist absolut hörenswert!

“Einfach grandios” – Kritik von Martin Hagen (SWR2)