Alte Meister – neue Klangwelten
Konzertrezension von Axel Engels (Westfälische Nachrichten)
Manchmal braucht es nur zwei Musiker, um ganze Klangwelten zu öffnen. Beim gut besuchten „Bliss“-Konzert der GWK im Gewölbekeller des Beat Clubs Greven nahmen Michal Knot am Saxofon und Bogdan Laketic am Akkordeon ihr Publikum mit auf eine Reise, bei der Jahrhunderte erstaunlich mühelos ineinanderflossen.
Unter dem Titel „Tales“ begegneten englische Renaissance und Barock den Liedern von Sting, den Beatles und Queen, während Led Zeppelin und skandinavische Volksmusik weitere Wege erschlossen. Was auf dem Papier nach einem gewagten Nebeneinander aussehen mochte, verband das Duo Aliada zu einer musikalischen Erzählung voller Farben, Bewegung und empfindsamer Zwischentöne.
Von der Tradition abgewichen
Dabei begann dieser Reihenauftakt mit einer kleinen Abweichung von der Tradition: Johann Sebastian Bach hatte diesmal anderen Meistern den Vortritt gelassen. Henry Purcell, Orlando Gibbons und John Dowland bildeten die historischen Ausgangspunkte eines Programms, das weniger nach stilistischen Grenzen als nach musikalischen Verwandtschaften fragte.
Schon die Instrumentenkombination eröffnete ungewöhnliche Möglichkeiten. Michal Knot und Bogdan Laketic nutzten diese Vielseitigkeit für einen Dialog, in dem Melodie, Gegenstimme und Begleitung immer wieder die Rollen wechselten. Henry Purcells „Abdelazer Suite“ erwies sich dafür als trefflicher Auftakt. Ihre prägnanten Themen und tänzerischen Bewegungen boten dem Duo Gelegenheit, barocke Konturen mit frischen Klangfarben zu verbinden. Die Bearbeitung machte ihre Strukturen hörbar und ließ zugleich Raum für jene Spielfreude, die den gesamten Abend prägte.
Einen besonders reizvollen Brückenschlag unternahmen Michal Knot und Bogdan Laketic mit „Mighty Stairway“. Hier traf Henry Purcells barocke Ausdruckswelt auf Led Zeppelins „Stairway to Heaven“. Auch in der Suite aus Musik von John Playford, Sting, den Beatles, Claudio Monteverdi und eigenen Bearbeitungen des Duos erwies sich das Verbindende als stärker als der Abstand der Entstehungszeiten. Besonders sinnfällig wurde dies in Stings „Shape of My Heart“ über einer barocken Basslinie, einem sogenannten Ground. Die wiederkehrende Grundlage gab der Melodie Halt und öffnete zugleich Raum für ihre Entfaltung.
Bei Queens „Bohemian Rhapsody“ stand das Duo vor einer Herausforderung. Dieses Stück lebt schon im Original von seinen abrupten Wechseln, seinem theatralischen Überschwang und dem Nebeneinander von Ballade, Opernparodie und Rock. Eine Bearbeitung für Saxofon und Akkordeon musste deshalb mehr leisten, als die bekannte Melodie wiederzugeben. Michal Knot und Bogdan Laketic erschlossen die verschiedenen Charaktere durch wechselnde Klangfarben, rhythmische Akzente und eine bewegliche Verteilung der Stimmen. Die skandinavischen Stücke „Shore“, „Stædelil“, „Æ Rømeser“ und „Shine You No More“ ergänzten die englisch geprägte Reise um weitere Landschaften.
Ungewöhnliches Klangkonzept
Dass sich Michal Knot und Bogdan Laketic bereits 2013 während ihres Studiums in Wien zusammengefunden hatten, erklärte die gemeinsame Entwicklung ihres ungewöhnlichen Klangkonzepts. So geriet der Auftakt der „Bliss“-Reihe zu einer Begegnung mit Musik, die vertraut sein konnte und dennoch überraschend klang. Renaissance, Barock, Folk, Pop und Rock behielten ihre Eigenheiten und fanden zugleich in der Sprache dieses Duos zusammen.
Im Gewölbekeller erlebte man einen Abend, dessen besondere Wärme gerade in der Verbindung von musikalischer Fantasie und kammermusikalischer Nähe lag. Und natürlich fehlte Johann Sebastian Bach nicht bei diesem Konzert. Als letzte Zugabe wählte das Duo das Thema aus den Goldberg-Variationen, ein wunderbarer Abschluss für einen außergewöhnlichen Abend.
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